10.12.2019

Quote der Teilzeitstudierenden geht erstmals leicht zurück

Im Auftrag des CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat CHE Consult die Entwicklung von Teilzeit-Studienangeboten in Deutschland analysiert. Sie umfasst die Studienangebote der Hochschulen und die Nachfrage bei den Studierenden. Es zeigt sich: An den Hochschulen sind Teilzeit-Angebote noch die Ausnahme. Nur jeder 14. Studierende in Deutschland absolviert sein Studium offiziell in Teilzeit. Wer eine Alternative zum Vollzeit-Studium sucht, hat nur eine begrenzte Auswahl.

Zum Wintersemester 2017/18 studierten laut Statistischem Bundesamt 203.000 Menschen in Deutschland offiziell nicht in Vollzeit. Der Anteil der Teilzeitstudierenden an allen Studierenden liegt aktuell bei 7,1 Prozent. Die Quote ist damit seit dem Jahr 2000 zum ersten Mal wieder leicht gefallen.

 

Mit 95.000 Personen entfallen auf Nordrhein-Westfalen rund die Hälfte aller Teilzeitstudierenden. Damit studiert etwa jeder siebte Studierende zwischen Rhein und Ruhr nicht in vollem Umfang. Lediglich Hamburg hat mit 20,7 Prozent eine noch höhere Quote, dort sind gleich zwei auf Teilzeitstudium spezialisierte Fernhochschulen ansässig. Mecklenburg-Vorpommern weist mit 12,3 Prozent einen identischen Wert wie Nordrhein-Westfalen auf. Schlusslicht im Ländervergleich ist das Saarland mit lediglich rund 150 offiziellen Teilzeit-Studierenden und einem Teilzeit-Anteil von 0,5 Prozent.

 

Real dürfte die Zahl der „de facto“-Teilzeitstudierenden, die zwar in einen Vollzeit-Studiengang eingeschrieben sind, aber weniger intensiv und länger als vorgesehen studieren, allerdings deutlich höher liegen, erklärt das CHE im Kontext der Ergebnisse. „Immer mehr Menschen wollen ihre akademische Aus- und Weiterbildung mit Familie, Beruf oder anderen Faktoren in Einklang bringen“, erklärt Frank Ziegele. „Die Modulstrukturen, die wir seit der Bologna-Reform haben, ermöglichen ein flexibles Teilzeitstudium in Deutschland theoretisch in jedem Studiengang“, so der CHE Geschäftsführer. „Dass nun dennoch die Quote der Teilzeitstudierenden erstmals seit Jahren sinkt, ist eine bedenkliche Entwicklung.“

 

Ein Grund für die geringen offiziellen Zahlen bei Teilzeit im Studium sind laut Mitautor Cort-Denis Hachmeister auch die Rahmenbedingungen: „Die größte Hürde beim Teilzeitstudium ist weiterhin der fehlende Anspruch auf BAföG-Förderung.“ Zusätzlich gelten je nach Hochschule unterschiedliche Teilzeitregeln für Studierende. „An staatlichen Hochschulen werden seltener explizite Teilzeitstudiengänge angegeben, sondern oft muss für jedes Studienjahr ein Teilzeitstudium mit einer entsprechenden Begründung individuell beantragt werden.

 

An privaten Hochschulen, die oft auch mehr zeitlich flexible Studiengänge anbieten, dürfen sich Studienberechtigte dagegen ohne Begründung für ein Teilzeitstudium einschreiben. Daher gibt es in einigen Bundesländern zahlreiche private Hochschulen mit zum Teil hohen Studierendenzahlen, die sich auf flexible Teilzeitstudienmodelle spezialisiert haben.


Der Rückgang des Anteils von Studierenden in Deutschland, die offiziell in Teilzeit eingeschrieben sind, dürfte aber auch am geringen Angebot entsprechender Studiengänge liegen. Lediglich jeder siebte Studiengang in Deutschland steht nach den Angaben im HRK Hochschulkompass auch Studierenden in Teilzeit offen. Die Quote an Teilzeitstudiengängen liegt im aktuellen Wintersemester 2019/20 bei 13,9 Prozent. Sie ist im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,4 Prozentpunkte gestiegen.

 

Das Saarland weist mit 65,7 Prozent die höchste Quote an Studienangeboten mit der Möglichkeit zum Teilzeitstudium auf. Hamburg und Brandenburg folgen im Ländervergleich mit 52,2 und 42,9 Prozent. In sechs Bundesländern liegt der Anteil an Teilzeitangeboten unter 10 Prozent. Schlusslicht ist Bremen. Im Stadtstaat kann nur einer von fünfzig Studiengängen auch in geringerem Umfang pro Semester absolviert werden.

 

Das Studienangebot im Bereich Teilzeit ist an Universitäten mit 15,8 Prozent etwas umfangreicher als das an Fachhochschulen mit 13 Prozent. Auch im Masterbereich (16,7%) haben Menschen, die etwa parallel zum Beruf ein Studium absolvieren möchten, eine größere Auswahl als im Bachelor-Bereich (12,8%). In den Gesellschafts- und Sozialwissenschaften besteht die Teilzeit-Option in jedem fünften Studiengang. Die geringsten Anteile finden sich mit 5,9 Prozent in den Fächergruppen Kunst, Musik, Design.


Grundlage für die Teilzeit-Angebots-Quote sind die Daten des Hochschulkompasses der Hochschulrektorenkonferenz für das Wintersemester 2019/20. Die Anteile der Teilzeitstudierenden beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes für das Wintersemester 2017/18.

 

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