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18.07.2017

Studienabbruch verringern durch soziale Integration

Ein aktuelles CHE Arbeitspapier zum Thema „Diversität und Studienerfolg“ zeigt: Studierende, die gut in das Studienleben integriert sind, suchen seltener eine Alternative außerhalb der Hochschule und brechen weniger häufig das Studium ab. Für die Studie hat CHE Consult Daten vertieft ausgewertet, die im Rahmen des QUEST-Ansatzes erhoben worden sind.

29 Prozent der Studienanfänger(innen) steigen laut einer Erhebung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) ohne Abschluss aus dem Studium aus. Gründe dafür gibt es viele, am häufigsten werden jedoch Leistungsprobleme genannt. Hochschulen versuchen, mit Vorkursen und Unterstützungsangeboten in der Studieneingangsphase, derartigen Problemen zu begegnen.


An zweiter Stelle wird von den befragten Studienabbrecher(inne)n in der Untersuchung des DZHW eine mangelnde Studienmotivation als Grund für den Abbruch genannt. Warum die Lust am Studium schwindet, lässt sich aus der Erhebung nicht erkennen. Hier bietet das von CHE Consult entwickelte Befragungstool QUEST einen Ansatz für Erklärungen und Lösungen. Es erfasst die Studienerfolgswahrscheinlichkeit einzelner Studierender mittels psychometrischer Daten.


QUEST untersucht die Wechselwirkungen zwischen persönlichen Merkmalen der Studierenden, ihren Kompetenzen, ihrer Motivation und den Angeboten an der Hochschule. Auf dieser Basis lässt sich neben der „akademischen Adaption“, also der individuellen Anpassung an Leistungs- und Kompetenzerwartungen im Studium, auch die „soziale Adaption“ beschreiben. Sie wird als hoch eingestuft, wenn die Studierenden regelmäßig soziale Kontakte zu ihren Kommiliton(inn)en und Lehrenden haben sowie Hilfsangebote der Hochschule kennen und im Bedarfsfall bereit sind, diese zu nutzen. Dabei hat sich empirisch gezeigt, dass eine gelungene soziale Adaption die Wahrscheinlichkeit erhöht, das Studium erfolgreich abzuschließen.


Die aktuellen Auswertungen der Daten belegen: Studierende ohne akademischen Bildungshintergrund des Elternhauses oder mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung weisen an Universitäten eine geringere soziale Adaption auf als Vergleichsgruppen. Gleiches gilt für Studierende mit eigener oder elterlicher Migrationserfahrung. Damit verfügt eine Gruppe unter den Studierenden über vergleichsweise geringere Studienerfolgsaussichten, die ohnehin schon an Hochschulen strukturell unterrepräsentiert ist. An Fachhochschulen ist die soziale Adaption über alle Gruppen etwas besser als an den Universitäten.


So wird deutlich: Wenn etwas gegen Studienabbruch und gleichzeitig für mehr Chancengerechtigkeit getan werden soll, dann reicht es nicht aus, sich allein auf Unterstützungsangebote zu den Fachinhalten in den einzelnen Disziplinen zu beschränken. Neben einer guten Studienberatung und Brückenkursen brauchen Studienanfänger(innen) ebenso Gelegenheiten für soziale Begegnungen.


Es käme also darauf an, Instrumente und Verfahren zu entwickeln, mit denen auch die soziale Integration in das Studium wahrscheinlich gemacht wird. Dazu könnten Räume für studentische Arbeitsgruppen und niedrigschwellige – oder auch mehr oder weniger verpflichtende – Angebote für gemeinschaftliche Aktivitäten oder projektorientiertes Arbeiten schon beim Studieneinstieg gehören, damit Studienanfänger(innen) nicht am Studium zweifeln und dann vielleicht aufgeben.

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