24.09.2020

Studie zu Home-Office an deutschen Hochschulen veröffentlicht

Von Mai bis Juni 2020 hat CHE Consult Personalverantwortliche deutscher Hochschulen zum Thema Home-Office befragt. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie gehen Hochschulen mit dem Thema generell um und welche Veränderungen ergeben sich aus den Erfahrungen seit Beginn der Corona-Pandemie? Jetzt liegt der Bericht über die Ergebnisse vor.

Die Untersuchung zeigt: Bei dem Großteil der Hochschulen sind Angebote flexibler Arbeitsformen für Mitarbeiter*innen vorhanden. Jedoch können die Hochschulen sich bisher nicht auf allgemeinverbindliche gesetzliche Regelungen für Home-Office-Lösungen abstützen, da ein rechtlicher Rahmen weitgehend fehlt. Beschäftigte im Home-Office sind daher wesentlich schlechter abgesichert als Beschäftigte im Büro (Präsenz) oder bei gesetzlich geregelter Telearbeit.

 

In den Hochschulleitungen ist der Grundhaltung zum Home-Office, nach Einschätzung der Personalverantwortlichen überwiegend positiv. Allerdings zeigt die Umfrage erhebliche Unterschiede, wenn man die Haltung gegenüber dem Personal in Technik und Verwaltung und dem wissenschaftlichen Personal vergleicht. Es gibt offenbar deutlich mehr Vorbehalte gegenüber Home-Office-Lösungen für das Personal in Technik und Verwaltung, sodass vielfach der Einzelfall geprüft wird. Beim wissenschaftlichen Personal müssen dagegen selten triftige Gründe für die Bewilligung benannt werden, entscheidend ist hier meist die Aufgabenerfüllung.

 

Die Vorbehalte gegenüber Home-Office-Lösungen beim Personal in Technik und Verwaltung zeigen sich deutlich bei den Gründen für die Bewilligung, wie beispielsweise Pflege oder Kinderbetreuung. Hier steht die persönliche und private Situation im Blickpunkt, nicht die Chancen flexibler Arbeitsformen. Im Falle der Bewilligung entsteht somit auch nicht unbedingt eine positive Veränderung für die Betroffenen, die dann zu Hause einer Mehrfachbelastung ausgesetzt sind und gleichzeitig viele Herausforderungen meistern müssen. Positive Wirkungen des Home-Office in Bezug auf Zufriedenheit, Qualität der Arbeitsergebnisse, Reduktion von Belastung durch den Wegfall von Anfahrtswegen scheinen für das Personal in Technik und Verwaltung nicht erwartet zu werden.

 

Auffallend ist weiterhin, dass für das wissenschaftliche Personal die Dokumentation der Arbeitszeit in der überwiegenden Zahl der Fälle ausbleibt. Die Möglichkeiten, die Fürsorgepflicht gegenüber dem wissenschaftlichen Personal wahrzunehmen, sind dadurch eingeschränkt. Problematisch ist beispielsweise, dass so undokumentiert Überstunden angehäuft werden können. Zudem kann der Eindruck entstehen, dass Beschäftigte stets erreichbar sein sollen, wenn eine Regelung zu Arbeitszeiten nicht getroffen wird. Ein hohes Maß an Flexibilität birgt so auch die Gefahr der Selbstüberlastung durch die Beschäftigten.

 

Bei den Herausforderungen, vor die die Hochschulen seit Ausbruch der Pandemie gestellt sind, nehmen die Befragten die unvollständige Digitalisierung von Arbeitsabläufen und Prozessen als besonders drängend wahr. Darüber hinaus sollten aus Sicht der Autor*innen der Studie aber auch Maßnahmen im Bereich „Führungsverantwortung im Home-Office“ und „Kommunikation im Home-Office“ ausgebaut werden.

 

„Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Fürsorge und Prävention gegenüber dem wissenschaftlichen Personal und ein Abbau unnötiger Bewilligungshürden für Home-Office Lösungen beim Personal in Technik und Verwaltung sind wichtig für die weitere Entwicklung von Home-Office-Lösungen an Hochschulen“, fassen die Autorinnen Elisa Himbert und Anna Gehlke die Ergebnisse ihrer Studie zusammen.

 

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