05.08.2014

Qualitätssicherungssysteme in Europa: mehr Autonomie und stärkere Ergebnisorientierung

CHE Consult hat gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung und im Auftrag der EU-Kommission die Entwicklung der Qualitätssicherungssysteme im europäischen Hochschulraum untersucht. Die Studie stellt die Entwicklungen von 2009 bis 2013 dar. Sie ist nun als Online-Publikation verfügbar.

Die Studie wertete über 53 im Zeitraum 2009-2013 erschienene Studien und Berichte zur Qualitätssicherung in Europa aus und verweist auf einige Trends. So konnte gezeigt werden, dass sich in Europa zunehmend ein vertieftes Verständnis von Qualitätssicherung entwickelt. Nachdem zunächst in vielen Ländern neue Strukturen worden sind, die vielfach unabhängig neben bestehenden Systeme standen, wächst nun das Verständnis, dass Qualitätssicherung als ein integraler Bestandteil von Studium und Lehre verstanden werden muss. „Qualitätssicherung kann in ihrer europäischen Dimension nicht losgelöst betrachtet werden von Lernzielen, der Anerkennung von Lernleistungen und der Entwicklung von Qualifikationsrahmen und anderen Zielen und Instrumenten des Bologna-Prozesses“, betont Lukas Bischof, einer der Autoren der Studie.

Bezogen auf die Entwicklung eines gemeinsamen „Markts“ für Qualitätssicherungsagenturen zeigt die Studie: Immer mehr Agenturen sind Mitglied im europäischen Register für Qualitätssicherungsagenturen (EQAR). Das Register wurde als vertrauensbildendes Instrument für die Anerkennung von Agenturaktivitäten aus anderen europäischen Ländern konzipiert. Tatsächlich ist derzeit aber nur eine Minderheit der in EQAR registrierten Agenturen international aktiv. Die meisten Agenturen streben die Registrierung vielmehr mit dem Ziel an, ihre Reputation zu erhöhen. Auch trägt eine Reihe struktureller Gründe dazu bei, dass europäische Regierungen insgesamt nach wie vor zurückhaltend sind, EQAR-registrierte Qualitätssicherungsagenturen rechtlich den nationalen Agenturen gleichzustellen.

CHE Consult begrüßt die Überarbeitung der European Standards and Guidelines for Quality Assurance (ESG). „Die ESG werden in ihrer vorliegenden Fassung den Herausforderungen im Bereich Qualitätssicherung nicht mehr vollständig gerecht“, sagt Bischof. Insbesondere die Tatsache, dass sie keine Bezüge zu Lernzielen, ECTS oder Qualifikationsrahmen beinhalteten, muss als Manko betrachtet werden. Die Studie macht eine Reihe von konkreten Empfehlungen zur Weiterentwicklung.

Publikation

Bischof, Lukas; Gajowniczek, Joanna; Maikämper, Moritz; Aerden, Axel: Input Study to the Report from the European Commission on Progress in the Development of Quality Assurance Systems in the various Member States and on Cooperation Activities at European Level, Brüssel, European Union, 101 Seiten, ISBN 978-92-79-38290-1

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