Nachricht

29.02.2016

Nur jeder zehnte Studiengang auch in Teilzeit studierbar

Wer in Deutschland eine Alternative zum Vollzeit-Studium sucht, hat nur eine begrenzte Auswahl. Aktuell können 10,6 Prozent aller Studiengänge in Teilzeit studiert werden. Die insgesamt rund 170.000 Teilzeit-Studierenden zieht es vor allem an die privaten Hochschulen. Die Angebote in den Bundesländern unterscheiden sich dabei erheblich. Dies zeigt eine Analyse, die CHE Consult im Auftrag des CHE Centrum für Hochschulentwicklung durchgeführt hat. Sie umfasst die rechtlichen Rahmenbedingungen, Studienangebote der Hochschulen sowie die Nachfrage bei den Studierenden.

Früher waren Studierende meist junge Menschen im Alter von 19 bis 25 Jahren, aus Deutschland, kinderlos, mit Abitur, die ein Präsenzstudium absolvieren und neben dem Studium kein Geld verdienen müssen. Heute sitzen jedoch auch Handwerksmeister(innen), alleinerziehende Eltern, Manager(innen) und Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen in den Seminaren und Übungen. Eine Möglichkeit, auf diese adressierten Anforderungen zu reagieren, ist die Etablierung von Teilzeit-Studienformen.


Analysen von Daten des Hochschulkompasses der HRK, die CHE Consult im Auftrag des CHE Centrum für Hochschulentwicklung durchgeführt hat, zeigen nun, dass aktuell jedoch nur jeder zehnte Studiengang in Deutschland auch in Teilzeit studiert werden kann. Die Angebote in den Bundesländern unterscheiden sich dabei erheblich: Den höchsten Anteil an in Teilzeit angebotenen Studiengängen im aktuellen Wintersemester 2015/16 gibt es im Saarland mit 64 Prozent. Dahinter liegen Hamburg mit 42,6 Prozent und Brandenburg, wo jeder dritte Studiengang in Teilzeit studiert werden kann.


Mit neun Ländern hat mehr als die Hälfte einen Anteil an Teilzeit-Studiengängen von weniger als 10 Prozent. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt, wo mit einem Anteil von 0,9 Prozent nicht einmal jeder hundertste Studiengang eine Alternative zum Vollzeit-Studium darstellt.


Der Anteil an Studiengängen, die in Teilzeit parallel zu beruflichen oder familiären Verpflichtungen absolviert werden können, ist an Universitäten mit 12 Prozent höher als an Fachhochschulen mit 9,5 Prozent. Der Anteil bei den Masterstudiengängen liegt mit 13,2 um 4 Prozent höher als bei den Bachelor-Angeboten (9,3 Prozent).


Die Verbreitung von Teilzeit-Studienangeboten hängt stark von den Fächern ab. Drei Fächergruppen verfügen mit jeweils rund 15 Prozent über die höchsten Teilzeit-Quoten. Dies sind die Geistes- und Sozialwissenschaften, die Medizin- und Gesundheitswissenschaften sowie die Sprach- und Kulturwissenschaften. In den Agrar- und Forstwissenschaften, sowie im Bereich Kunst, Musik, Design sind dagegen weniger als vier Prozent aller Studiengänge für ein Teilzeit-Studium geeignet.


Zum Wintersemester 2013/14 studierten laut Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 170.000 Studierende nicht in Vollzeit. Der seit Jahren kontinuierlich steigende Anteil Teilzeit-Studierender liegt aktuell bei 6,5 Prozent. Hierbei liegt der Anteil an privaten Hochschulen mit 11,7 Prozent deutlich höher als bei staatlichen Institutionen, an denen lediglich 2,9 Prozent ihr Studium in Teilzeit absolvieren.


Während die privaten Anbieter auf dem Markt ihre zielgruppenadäquaten Angebote bewerben, fehlt bei den staatlichen Angeboten noch teilweise die Transparenz. Die Autor(inn)en der Studie betonen, besonders wichtig sei, darzustellen, welche Studienstrukturen, Formate und Services sich hinter dem oft sehr unterschiedlich gebrauchten Begriff „Teilzeit-Studium“ jeweils verbergen. Zudem sei es wichtig, ein BAföG für Teilzeit-Studierende zu ermöglichen. Damit würde eine der größten Hürden für das Teilzeit-Studium fallen.

Grundlage für die Teilzeit-Angebots-Quote sind die Daten des Hochschulkompasses der Hochschulrektorenkonferenz für das Wintersemester 2015/16. Die Anteile der Teilzeit-Studierenden beruhen auf Angaben des Statistischen Bundesamtes für das Wintersemester 2013/14. Da Angebot und Nachfrage in verschiedenen Recheneinheiten für unterschiedliche Zeiten erhoben wurden, sind sie nicht direkt miteinander vergleichbar.


Erstellt wurde die Studie „Das Teilzeit-Studium an deutschen Hochschulen – Wo stehen wir und was ist möglich?“ von Wencke Lah, Ronny Röwert und Christian Berthold. Die Publikation ist Teil des CHE Themenschwerpunktes „Hochschulbildung wird zum Normalfall“.  


 

Die Publikation zum Download

Ansprechpartner

Lars Hüning+49 30 2332267-48E-Mail schreiben