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16.04.2018

Neue Umfrage zum Fakultätsmanagement

CHE Consult hat im Auftrag des CHE Centrum für Hochschulentwicklung die internen Steuerungsinstrumente in deutschen Hochschulen untersucht. Insbesondere wurde die Frage beleuchtet, wie Steuerungsinstrumente je für sich und in bestimmten Kombinationen die Strategiefähigkeit von Fakultäten beeinflussen. Insgesamt wurden rund 500 Personen befragt. Unter anderem zeigt sich: Die eingesetzten Steuerungselemente müssen noch besser aufeinander abgestimmt werden.

Fakultäten spielen an deutschen Hochschulen eine wichtige Rolle: Hier werden Lehre und Forschung realisiert, hier müssen letztlich auch die Reformen umgesetzt werden, die in den letzten Jahren eingeleitet wurden. Dabei sollten Fakultäten gemäß dem Steuerungsansatz der internen Autonomiegewährung im besten Falle in der Lage sein, ihre eigenen strategischen Ziele im Rahmen der Gesamtziele ihrer Hochschule zu definieren und ihre interne Steuerung darauf auszurichten.


Zur Umsetzung diese Reformansätze und besonders zur Ausgestaltung des Verhältnisses zwischen zentralen und dezentralen Einheiten sind in den vergangenen Jahren insbesondere vier formale Steuerungsinstrumente etabliert worden: Zielvereinbarungen, die leistungsorientierte Mittelvergabe, das Globalbudget und die Personalkostenbudgetierung.

 

Bei der leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM) wurde vielfach das Verteilmodell zwischen Land und Hochschulen auch auf die internen Einheiten der Hochschulen angewandt, um die Steuerungsimpulse sozusagen nach innen zu verlängern. In Zielvereinbarungen werden übergreifende und dezentrale Ziele strategisch zueinander in Beziehung gesetzt, mit Modi der Leistungsmessung verbunden und ausbalanciert. Mit der Gewährung von sogenannten Globalbudgets und besonders einer internen Personalkostenbudgetierung sollte zudem eine hohe dezentrale finanzielle Flexibilität geschaffen werden.

 

Das CHE hat den Einsatz und die Effekte dieser Steuerungselemente der Hochschulpraxis untersucht. Die Befragung von rund 500 Personen aus dem Fakultätsmanagement an deutschen Hochschulen zeigt:

  • Rund zwei Drittel der Befragten praktizieren an ihren Hochschulen Globalbudgets, Zielvereinbarungen und LOM. Bei der Personalkostenbudgetierung, also der Möglichkeit auch Personalmittel in der Fakultät zu steuern, liegt der Wert mit 40 Prozent etwas niedriger. Vor allem für kleine Hochschulen scheint dieser Steuerungsansatz nicht immer umsetzbar zu sein.
  • Während Globalhaushalte und Personalkostenbudgetierung aus Sicht der Befragten tatsächlich entscheidend dazu beitragen, dass die Fakultäten strategische Projekte umsetzen und Probleme lösen können, scheinen LOM und Zielvereinbarungen auf den ersten Blick ihre Funktion zu verfehlen: Nur etwa 30 Prozent der Befragten sehen in den Instrumenten die erhoffte motivierende Wirkung auf die Wissenschaftler(innen).
  • Doch auch für diese Instrumente gibt es positive Effekte: Die Zielvereinbarungen werden insbesondere für geeignet gehalten, das Vertrauen zwischen Hochschulleitung und Fakultäten zu stärken. Dabei fällt auf, dass viele Zielvereinbarungen neben koordinierten übergreifenden und dezentralen Zielen auch zu einem hohen Anteil konkrete Maßnahmenpläne enthalten. An der LOM wird hingegen besonders die transparenzfördernde Wirkung geschätzt.
  • Insgesamt kann konstatiert werden: Nicht alle Instrumente wirken aus Sicht der Fakultäten wie gedacht. Um einen positiven Gesamteffekt zu erzielen, müssen sie richtig miteinander kombiniert werden. Es kommt also besonders auf die Ausgestaltung der Instrumente an.

Wenn die Hochschulleitung die Effekte der Indikatoren der leistungsorientierten Mittelvergabe den Fakultäten über Berichte transparent macht und im Rahmen der Zielvereinbarung der Fakultät einen Vertrauensvorschuss kommuniziert, dann setzen diese Instrumente einen guten Rahmen für die finanziellen Freiheiten der Fakultät. Das vielfach beobachtete Nebeneinander der einzelnen Instrumente sollte überwunden werden.


„Die Steuerungsinstrumente sollten inhaltlich, zeitlich und funktional eng aufeinander abgestimmt statt unabhängig voneinander entwickelt werden. Für die Strategiefähigkeit von Fakultäten ist es entscheidend, mit solchen Package Deals ein dynamisches Gleichgewicht zwischen übergreifenden strategischen Zielen der Hochschule und innovativen Problemlösungen auf der Fakultätsebene herzustellen“, empfiehlt Thimo von Stuckrad, einer der Autoren der Studie.


Das CHE begleitet die Entwicklung des Fakultätsmanagements an Hochschulen bereits seit 14 Jahren mit Untersuchungen, Publikationen und Veranstaltungen. Hierzu gehört auch das „CHE Forum Fakultätsmanagement“, das in diesem Jahr am 4. und 5. Juni 2018 in Kassel stattfindet. Die jetzt vorgelegte Untersuchung ist der erste von zwei Teilen der „Untersuchung Fakultätsmanagement 2016“ die im Frühjahr 2018 veröffentlicht werden.

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