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17.11.2016

Demographische Entwicklung und Studiennachfrage

Welche Effekte der demographische Wandel bis 2035 auf das deutsche Hochschulsystem haben könnte, zeigen Visualisierungen aus dem Analysetool CHE Consult-DaViT. Die ZEIT und das Fernsehmagazin ARD-alpha nutzen diese Expertise für aktuelle Beiträge. Regional- und hochschulspezifische Trends wurden den Analysen zugrunde gelegt, um die Entwicklung bis 2035 zu untersuchen. Für einige Hochschulen ergibt sich rechnerisch ein potenzieller Nachfragerückgang bis zu 15 Prozent. Dr. Christian Berthold, Geschäftsführer von CHE Consult, betont: „Hochschulen, die besonders aus sich demographisch schwach entwickelnden Regionen rekrutieren, sollten sich Gedanken zur überregionalen Gewinnung von Studierenden und entsprechenden Profilbildungsmaßnahmen machen.“

Mit Hilfe des Datenvisualisierungs-Tools (DaViT) und auf Basis von Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat CHE Consult prozentuale Veränderung der studienrelevanten Alterskohorte (16-19-Jährige) von 2015 bis ins Jahr 2035 für die Kreise in Deutschland visualisiert. Die Effekte auf die Anzahl der potenziellen Studienanfänger(innen) an den Hochschulen können errechnet werden, indem diese Informationen mit Daten zur aktuellen Einzugsstruktur von Hochschulen kombiniert werden: Aus welche Kreisen kommen Studienanfänger(innen) an die jeweiligen Hochschulen? Im Ergebnis zeigt sich: An einigen Hochschulen sind Einbußen von bis zu 15 Prozent möglich, verglichen mit 2015 und für den Fall, dass alle Parameter stabil bleiben, beispielsweise Zulassungsbeschränkungen, Studierneigung oder Mobilität.

 

Das Vergleichsjahr 2015 bedeutet allerdings, dass der Vergleich sich auf eine Situation bezieht, in der extrem viele Studierende an den Hochschulen eingeschrieben sind. Denn in den letzten Jahren haben die Hochschulen einen regelrechten Ansturm an Studienbewerber(inne)n erlebt. Dies ist einerseits durch eine gestiegene Bildungsbeteiligung begründet: Mehr junge Leute erwerben eine Hochschulzugangsberechtigung, die Studierneigung nimmt zu, mehr beruflich Qualifizierte nehmen ein Studium auf und zudem steigt die Zahl der ausländischen Studierenden. Gleichzeitig hat in den vergangenen Jahren eine Art demografisches Echo der geburtenstarken Jahrgänge (1955 bis 1965) zu einem Anstieg der studienrelevanten Gruppe geführt. Dazu kamen die doppelten Abiturjahrgänge und das Aussetzen der Wehrpflicht. Gegenläufige demographische Effekte in den ostdeutschen Bundesländern, ausgelöst durch den Geburtenrückgang in den Nachwendejahren, wurden deutlich überlagert.


Die Politik und die Hochschulen haben mit dem Hochschulpakt, geschlossen zwischen Bund und Ländern, auf die steigende Nachfrage nach Studienplätzen reagiert. Jede Studieninteressierte und jeder Studieninteressent, die oder der es wollte und qualifiziert war, sollte auch einen Studienplatz bekommen. Dieser Hochschulpakt hat funktioniert. Nicht nur, dass die Hochschulen die Kapazitäten ausgebaut haben und mehr Studierende zugelassen haben. Es hat auch geklappt, dass Studieninteressierte aus den alten Bundesländern zum Studieren vermehrt in die neuen Länder gegangen sind.


Die jetzt erstellten demographischen Analysen für die Zeit bis 2035 beziehen diese Entwicklungen ein. Sie gehen also davon aus, dass sich die relativen Wachstumszahlen fortsetzen und die Mobilität unter den Studierenden erhalten bleibt. Mittel- bis langfristig ist jedoch die negative demographische Entwicklung und das Schrumpfen der studienrelevanten Altersgruppen nicht zu leugnen. Analyse-Tools wie DaViT können Hochschulen und Politik unterstützen, ihre Situation zu reflektieren, mittel- und langfristige Strategien zu entwickeln und entsprechende Maßnahmen umzusetzen. „Angesichts der Tatsache, dass die Hochschulen heute sehr voll sind, rechne ich nicht damit, dass Hochschulstandorte aufgrund der Demographie in Gefahr geraten. Es macht aber sehr wohl Sinn schon heute die Strategien für 2035 in den Blick zu nehmen und dabei zu berücksichtigen, wie die Alterskohorten im studierfähigen Alter sich entwickeln“, sagt Berthold.


„Für DaViT nutzen wir Visualisierungsmöglichkeiten, die es erlauben, Daten aus unterschiedlichen Quellen in interaktiven Grafiken schnell zu analysieren und relevante Ergebnisse einfach und effektiv zu kommunizieren“, erklärt Ronny Röwert von CHE Consult, der DaViT verantwortlich entwickelt hat. DaViT ist darauf ausgerichtet, Hochschulen und Hochschulträgern Auswertungen bereitzustellen, auf deren Basis strategische Entscheidungen getroffen werden können. Aktuell verfügt DaViT über 72 integrierte Indikatoren, geordnet nach sieben Themengebieten. Enthalten sind Daten unter anderem zur Finanzierung der Hochschulen, den Einzugsstrukturen im Hinblick auf Studienanfänger(innen), zur Rekrutierung internationaler Studierender oder zur Bildungsbeteiligung. Hochschulen und weitere Akteure des Bildungssystems können das Tool u.a. in Form eines Datenzugangs, gemeinsamen Datenworkshops oder aber durch Visualisierung hochschuleigener Daten nutzen.

 

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