Entwicklung der Betreuungsrelationen in der ersten Phase des HochschulpaktsIn einer Sonderauswertung zur ersten Phase des Hochschulpakts hat das CHE die Entwicklung der Betreuungsrelationen untersucht. Die deutliche Zunahme der Studierendenzwischen 2007 und 2010 ist demnach in wesentlichem Umfang durch Lehrbeauftragte kompensiert worden. „Inwiefern mit dieser Strategie Aspekte der Qualitätssicherung in der akademischen Lehre einerseits und qualifikationsadäquate Beschäftigungsperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs andererseits verbunden sind, kann die übergreifende Datenanalyse nicht zeigen. Dies muss aber diskutiert werden“, sagt Christian Berthold, Geschäftsführer von CHE Consult. Der Hochschulpakt 2020 hat sich die Aufgabe gestellt, in einer gemeinsamen Anstrengung von Bund und Ländern die deutlich steigende Nachfrage nach Studienplätzen zu befriedigen. Insgesamt ist das Resultat beeindruckend. In der ersten Phase des Hochschulpakts (2007 bis 2010) wurden fast 182.000 zusätzliche Studienanfänger(innen) von den Hochschulen aufgenommen. Vor diesem quantitativen Hintergrund stellt sich auch die Frage nach qualitativen Dimensionen bei der Realisierung des Auswuchses.
In einer aktuellen Sonderauswertung beleuchtet das CHE die Frage, wie sich die immense Ausweitung der aufgenommenen Studienanfänger auf die Betreuungsrelationen in den deutschen Hochschulen ausgewirkt hat. Betreuungsrelationen bilden das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Studierenden oder Studienanfänger(inne)n und dem wissenschaftlichen Personal in unterschiedlichen Stellenkategorien ab. Zur besseren Einordnung wird die Entwicklung ab 2003 dargestellt.
Für die deutschen Hochschulen wird insgesamt erkennbar, dass die Entwicklungen beim wissenschaftlichen Personal, unterschieden nach wesentlichen Stellenkategorien, markant unterschiedlich verlaufen und zwar sowohl mit Blick auf absolute Zahlen als auch in der Betreuungsrelation. Während sich die Relation bei den Professor(inn)en im Verlauf der ersten Phase des Hochschulpaktes leicht verschlechtert, verbessert sie sich in vergleichbarer Größenordnung beim ‚Mittelbau’ und sogar erheblich bei den Lehrbeauftragten.
„Diese Strategie ist angesichts der Planungshorizonte und Finanzierungslogik des Hochschulpakts nicht überraschend“, sagt Berthold. Neben der befristeten Finanzierungslogik des Hochschulpakts erschwert auch der Zeitbedarf der in Deutschland traditionell langwierigen Berufungsverfahren einen raschen Ausbau der Professuren. „Es muss nicht zwingend zu Qualitätseinbußen kommen“, meint Berthold, „allerdings sind diese Probleme nicht auszuschließen und die Frage des weiteren nachhaltigen Ausbaus muss diesen Aspekt berücksichtigen. Denn darüber hinaus bekommt die schon lange vorgetragene Klage, dass eine wissenschaftliche Karriere im deutschen Hochschulsystem immer weniger attraktiv ist, zusätzliche Nahrung durch den überproportionalen Ausbau befristeter beschäftigungsverhältnisse.“ |