Diversity Management am Kap und in Deutschland - Südafrikanischer Gastwissenschaftler bei CHE ConsultPieter Vermeulen ist Professor für Mathematik und seit Jahrzehnten in der Hochschulplanung und –steuerung in Südafrika tätig. Seit dem 1.7.2010 ist er für drei Monate bei der CHE Consult GmbH in Gütersloh zu Gast. Er untersucht, wie sich Ansätze von Diversity Management im Hochschulbereich in Deutschland und Südafrika unterscheiden und wie die Hochschulen der beiden Länder möglicherweise voneinander lernen können. Der Studienaufenthalt wird durch ein Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung unterstützt und von Uwe Schimank, Universität Bremen, betreut. Die Herausforderung, mit Vielfalt umzugehen, stellt sich in Südafrika in ganz anderer Weise als in Deutschland: Südafrika ist ein sozial, ethnisch und ökonomisch stark heterogenes Land mit einer Jahrzehnte währenden Hypothek von Ungleichheit durch die Apartheidspolitik. Deutschland ist ein Land mit vergleichsweise homogener Sozialstruktur, in dem zwar ökonomische Unterschiede bestehen und zunehmen, aber bis zu einem gewissen Grad abgefedert werden können. Beiden Ländern ist gemeinsam, dass Bildung und Bildungsbeteiligung als zentrale Gradmesser für Inklusion und wichtigstes Mittel für sozialen Aufstieg gelten.
Die Hochschulen in Südafrika haben sich diesem Auftrag in den vergangenen Jahrzehnten mit großer Entschiedenheit gestellt. Die Universität in Pretoria, an der Vermeulen tätig ist, hat seit 1992 den Anteil schwarzer Studierender von fünf auf 63 Prozent in 2009 gesteigert. Dies ist nicht allein eine Folge von veränderten Regeln bei der Zulassung. Zentrale Herausforderung für die Hochschulen ist der Umgang mit den sehr unterschiedlichen Kenntnisständen und den kulturellen und ökonomischen Unterschieden unter den Studierenden. „Vor allem die kulturellen Unterschiede versetzen die Lehrenden manchmal in eine schwierige Lage, in der sie zunächst einmal kaum wissen, wie sie sich verhalten sollen“, erzählt Vermeulen. Ähnliche Herausforderungen ergeben sich auch für die deutschen Hochschulen, spätestens seit sich die Pluralisierung der Gesellschaft mehr und mehr auch in der Zusammensetzung der Studierendenschaft niederschlägt.
„Wie diese Veränderungen von den Hochschulen als Chance begriffen und als Ausgangspunkt zu einer positiven Qualitäts- und Leistungsentwicklung genutzt werden kann, wird eines der zentralen Aspekte des Austauschs mit Prof. Vermeulen sein“, erklärt Hannah Leichsenring von CHE Consult.
|